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Die Mathematik des Blitzens: Belichtungsmessung bei der Verwendung von Studio- / Aufsteckblitzen

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Wer Studioblitze oder Aufsteckblitze verwendet, der sieht sich gleich mit folgenden Fragen konfrontiert: Wie muss ich die Blitze einstellen dass mein Motiv optimal belichtet wird und was muss ich ändern wenn sich das Setting während des Shootings ändert. Hierzu war ich vergangene Woche im „Nachhilfeunterricht“ beim erfahrenen Fotografen Martin Krolop, und möchte die Erkenntnisse nun mit Euch teilen.

Vorbemerkungen

Prinzipiell ist es für die Belichtungsmessung egal ob ihr einen Studioblitz oder einen Aufsteckblitz verwendet. Die unten folgenden Erkenntnisse lassen sich für beide Arten des Blitzens verwenden. Weiterhin habe ich gelernt dass sich die Belichtung im Studio bei der Verwendung von Blitzen fast ausschließlich durch die Blende, den ISO-Wert, die Entfernung der Lichtquelle zum Model und die Leistung des Blitzes justieren lässt – die Verschlusszeit ist fast egal. Meistens richtet sich die Verschlusszeit nach der Blitzsynchronisationszeit Eurer Kamera. Prinzipiell sollte immer 1/160tel oder 1/200tel an Eurer Kamera eingestellt sein – den Rest regelt ihr über die oben genannten Variablen Blende, ISO-Wert, Entferung der Lichtquelle und Leistung des Blitzes.

Zur Leistung des Blitzes sei der Kommentar erlaubt, dass man sich idealerweise nicht auf die Blitzautomatik (z.B. ETTL) verlassen sollte. Viel besser ist es wenn der Blitz (genau wie die Kamera) manuell eingestellt ist, denn nur dann versteht ihr warum was passiert. Zudem ist nichts schlimmer wenn ihr in einer Serie unterschiedliche Bildstimmungen habt, weil Euch die Automatik unterschiedliche Blitzleistungen zwischen den Shots liefert. Daher: selbst in der Fotograf – alles auf Manuell stellen :-)

Möglichkeit 1: Die Verwendung eines mobilen Belichtungsmessers

Die einfachste und bequemste Art ist die Verwendung eines mobilen Belichtungsmessers. Dieser wird dort platziert wo das Model steht (z.B. unmittelbar vor das Gesicht), dann wird der Blitz ausgelöst. Der Belichtungsmesser zeigt dann die richtige Blende und den korrekten ISO-Wert an, mit welcher das Model optimal belichtet wird. Belichtungsmesser sind nicht gerade billig und sind somit nicht jedermanns Sache.

Möglichkeit 2: Bauchgefühl und Testshots

Wer keinen Belichtungsmesser sein Eigen nennt, der probierts einfach aus. Sprich: Blende, ISO-Wert an der Kamera und Blitzleistung nach Bauchgefühl einstellen, abdrücken und schauen was passiert. Mit etwas Fingerspitzengefühl, Erfahrung und der Begutachtung der Testshots am Kameradisplay (u.a. auch mit Hilfe des Histogramms) kommt man so sehr schnell auf die optimalen Werte.

Hier kommt nun die „Mathematik des Blitzens“ zum Tragen, mit welcher man sehr logisch auf die optimalen Werte kommt:

Zunächst ist es wichtig dass man die Blendentabelle im Kopf hat:
f1.4 – f2 – f2.8 – f4 – f5.6 – f8 – f 11 – f16 – f22 – f32

Zwischen diesen Blendenstufen liegt jeweils eine komplette Blende. An Eurer Kamera gibt es zwischen den aufgeführten Blendenwerten weitere Blendenstufen. Dies sind die Drittelstufen zwischen den ganzen Blenden.

Wörtlich bedeuted diese Blendentabelle folgendes:

  • Stelle ich den Blendenwert von f1.4 auf f2.0, so habe ich die Belichtung um eine komplette Blende verringert (die Blende wurde um eine Blendenstufe geschlossen).
  • Verringere ich den Blendenwert von f22 auf f5.6, so habe ich die Belichtung um 4 komplette Blenden erhöht (die Blende wurde um vier Blendenstufen geöffnet).

In diesem Zusammenhang ist es zudem wichtig, dass man weiß was sich bzgl. des Blendenwerts verändert wenn man den ISO-Wert, die Entfernung der Lichtquelle oder die Leistung des Blitzes verändert:

  • Verdoppelt man den ISO-Wert, so erhöht man die Belichtung um eine komplette Blendenstufe (und umgekehrt)
  • Verdoppelt man die Entfernung der Lichtquelle zum Model, so verliert die Lichtquelle zwei Blendenstufen an Leistung (und umgekehrt)
  • Halbiert man die Leistung des Blitzes, so verringert sich die Belichtung um eine komplette Blendenstufe (und umgekehrt)

Was bedeutet das in der Praxis?

Ihr wollt ein Shooting machen, bei welchem das Model schön scharf ist (hier meine ich natürlich die Schärfe des Bildes, nicht des Models), der Hintergrund jedoch leicht verschwommen ist (dies ist mit einer relativ weit geöffneten Blende möglich).

Angenommen ihr habt das Set-Up Eures Shootings nun vorbereitet und habt einen Testshot mit folgenden „geschätzten“ Einstellungen gemacht: Blende f2.8, ISO 400, halbe Blitzleistung, Entfernung der Lichtquelle zum Model 1m.

Auf dem Testshot erkennt ihr nun, dass das Model doch ganz schön deutlich überbelichtet ist (das Bauchgefühl sagt Euch dass das Model um 2 Blendenstufen überbelichtet ist), so könnt ihr aus oben genannter Blitzmathematik folgendes ableiten:

Um das Model nun korrekt zu belichten könnt ihr…

  • … die Blende um 2 Blendenstufen schließen (von f2.8 auf f5.6) – das würde aber im Resultat nicht das schön freigestellte Model aus Eurere Bildidee liefern. Daher fällt diese Möglichkeit weg.
  • … die Entfernung des Blitzes ver-doppeln (von 1m auf 2m) – irgendwann ist man mit dem Abstand zum Model auch am Ende der Fahnenstange bzw.  ihrt wollt eine bestimmte Bildstimmung durch die Platzierung der Lichtquelle erreichen.
  • … die Leistung des Blitzes vierteln (von halber Leistung auf 1/8 Leistung)
  • … den ISO-Wert vierteln (von ISO 400 auf ISO 100)

Weitere Anwendungsfälle

Wie ihr seht: hat man einmal die Mathematik des Blitzens verstanden so kann man relativ schnell bei falscher Belichtung durch Logik gegenjustieren. Dieses Wissen lässt sich auch beliebig während eines Shootings anwenden. Möchtet ihr eine andere Bildstimmung erzielen, in dem ihr die Entfernung der Lichtquelle verändert, so wisst ihr genau mit welchen Möglichkeiten ihr eine korrekte Belichtung gewährleistet ohne eine neue Belichtungsmessung durchzuführen. Dies erleichtert enorm die Arbeit mit dem Model, denn welches Model möchte schon gerne immer Warten bis allles korrekt eingestellt ist :-)

Ein Tipp noch bei der Verwendung von Aufsteckblitzen: Aufsteckblitze verschleissen schneller unter Extrembedingungen. Versucht daher also immer die Leistung der Aufsteckblitze so gering wie möglich zu halten, da sie ansonsten schnell “abrauchen”. Mit heutiger Kameratechnik ist es problemlos möglich, rauschfreie Bilder mit ISO 400/800 zu erzielen. Der Vorteil: im Vergleich zu ISO 100 braucht ihr nur ein Viertel (bei ISO 400) bzw. ein Achtel (bei ISO 800) der Blitzleistung. Dies schont Eure Blitze und ihr habt länger Spaß mit Euren Blitzen.

Bei all der Mathematik hoffe ich dass ich keinen Fehler eingebaut habe :-) Falls doch, so weist mich bitte gerne in den Kommentaren darauf hin. Habt ihr vielleicht noch andere Tipps rund zum Thema Belichtungsmessung parat? Auch hier freue ich mich gerne über Kommentare.

Noch mehr Beiträge von: 

Moritz fotografiert mit einer Canon EOS 5D Mark II. Mehr Infos zu Moritz.

 geschrieben am: 4 Mai 2010 | 12 Kommentare | Abgelegt in: Featured, Tech-Stuff

12 Kommentare »

  • manne (32 comments) meint:

    WOW!
    das ist mal ein richtig krasser beitrag!
    ich glaube jetzt hab ichs verstanden. danke dafür!
    ich habe immer rumprobiert bis es halbwegs gepasst hat…

    ich werde den artikel sicher noch ein paar mal lesen.
    DANKE.

  • Teezeit (4 comments) meint:

    “Verdoppelt man die Entfernung der Lichtquelle zum Model, so verliert die Lichtquelle zwei Blendenstufen an Leistung (und umgekehrt)”

    Ich glaube, da hast Du einen kleinen Fehler:

    Die Beleuchtungsstärke nimmt mit dem Quadrat des Abstandes zur Lichtquelle ab. Daher müsste die Lichtquelle nicht zwei, sondern vier Blendenstufen verlieren – wenn meine bescheidenen Erinnerungen mir jetzt keinen Streich spielen.

  • Moritz (159 comments) meint:

    @Teezeit: ich denke da ist ein kleiner Denkfehler auf Deiner Seite dabei. Du liegst vollkommend richtig in der Annahme, dass die Beleuchtungsstärke im Quadrat des Abstands zur Lichtquelle abnimmt. Bei doppelter Entfernung hast Du also 1/4 der ursprünglichen Blitzleistung. 1/4 der ursprünglichen Blitzleistung entspricht jedoch 2 Blendenstufen (nicht 4), denn die Halbierung der Blitzleistung entspricht 1 Blendenstufe.

    Ich hab während der Beantwortung Deiner Frage auch nochmal nachschlagen müssen, und bin hierbei auf einen super Artikel gestoßen, welcher der Sache noch tiefer auf den Grund geht: Richtig manuell blitzen, Teil 1 bzw. Richtig manuell blitzen, Teil 2

    Im Endeffekt hilft nur: üben, üben, üben :-)

  • Julian (1 comments) meint:

    super!
    Werde mich wohl mal mit meinem Blitz etwas mehr auseinander setzen und bin dann sicher sehr dankbar für so genaue Infos
    hab Euch mal direkt bei mir verlinkt :)

    Gruß
    Julian

  • Andreas (13 comments) meint:

    Super Beitrag. Sehr ausführlich und informativ. Werde mich danach richten und ausprobieren.

    Gruß
    Andreas

  • Toni Hz (2 comments) meint:

    Hallo Moritz,

    Danke für den Artikel,
    Sobald ich wieder ein “Zeitfenster” offen habe,
    werde ich ausgiebig testen (Nikon SB 900).
    Eigentlich ist immer alles klar, nur braucht es häufig jemanden,
    der einen darauf stößt.

    Toni

  • Sinus Surfer (2 comments) meint:

    Toller Beitrag! Danke Euch für die hilfreichen Tipps. Bin auch ein Aus-dem-Bauch-Blitzer. Hilft einem auf jeden Fall wenn man das im Hinzerkopf behält.

    Gruss Marco

  • Sandra (2 comments) meint:

    Bin via google aufgrund kleiner “Blitzprobleme” und offenen Fragen auf diesen Beitrag gestoßen und habe einen kleinen AHA Effekt.
    Danke dafür! Klasse!

  • Fräänk (2 comments) meint:

    Hallo
    danke für den super beitrag.

    eine sache ist mir noch etwas unklar. ( die sache mit dem verschleiss zu verringern )

    ich habe einen aufsteckblitz canon speedlite 430 an einer eos7d

    der blitz ist nagelneu und die gebrauchsanweisung leider nicht sehr brauchbar. :-(

    meine frage. wenn ich die iso von z.b. 100 auf 800 erhöhe,
    regelt der blitz seine Leistung dann selbst runter?
    bzw. generell: regelt der blitz seine leistung nach meinen einstellungen an der kamera oder blitzt er einfach immer mit voller leistung und das bild wird dann halt einfach überbelichtet ?

    danke für eure antworten ! (bin halt noch anfänger)

  • Moritz (159 comments) (author) meint:

    Hi Fräänk,

    kommt ganz auf die Betriebsart Deines Blitzes an. Wenn der Blitz im manuellen Modus betrieben wird, dann musst Du bei ISO-Änderung an der Kamera auch immer die Blitzleistung nachstellen. Wenn der Blitz im Automatischen Modus (ETTL) genutzt wird, so macht der Blitz alles automatisch (bzw. er tut das was er denkt was richtig ist).

    Ich empfehle manuell zu blitzen, damit man die Blitzerei auch versteht und selbst mit dem Licht spielen kann – und sich nicht darauf verlassen muss was der Blitz denkt was richtig ist.

    Viele Grüße,
    Moritz

  • Fräänk (2 comments) meint:

    Hi,

    danke für die superschnelle Antwort.
    Es ist echt schade das in der Gebrauchsanleitung kaum was drinsteht zur richtigen (manuellen) Bedienung des Blitzes. :-(
    Hab auch schon nach Literatur zu meinem Canon Speedlite 430 EC gesucht, leider erfolglos.

    VG Fräänk

  • db (1 comments) meint:

    Vielen Dank für den schönen Artikel :-)

Kommentar

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