Reflektoren in der People-Fotografie – warum, welche und wie?
Reflektoren sind der Freund eines jeden Fotografen, denn sie bieten unglaubliche Möglichkeiten um das Bildmotiv ins rechte Licht zu rücken. Da ich mich aktuell intensiver mit der Peoplefotografie beschäftige, habe ich mich mal auf die Suche nach Informationen zu dem Thema “Reflektoren” gemacht, um herauszufinden welche unterschiedlichen Reflektoren es gibt, wie man sie einsetzt und was der Vorteil ist. Wie ihr seht ist das Thema auch für mich zum Teil Neuland, durch diesen Post versuche ich aber meine Erkenntnisse und Erfahrungen wiederzugeben und sie mit Euch Lesern zu teilen. (Das Bild in diesem Post stammt von http://www.sunbounce.de/)
Grundlegendes zum Thema Reflektoren
Prinzipiell hat man in der Peoplefotografie immer folgendes Problem: durch die Konstellation des Setups ist man meist damit konfrontiert dass ein hoher Kontrastumfang zwischen dem Model und der Umgebung vorherrscht, welcher durch die Kamera nicht abgedeckt werden kann. Ergebnis dessen ist es, dass entweder das Model korrekt belichtet ist (und der Hintergrund komplett ausbrennt) oder dass der Hintergrund korrekt belichtet ist (und das Model viel zu dunkel ist). Ziel ist es aber immer, dass die Bildstimmung zwischen Model und Hintergrund erhalten bleibt.
Um hier entgegenzuwirken gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:
- entweder man setzt einen Blitz ein (Aufsteckblitz oder professioneller Studioblitz)
- oder man versucht mit der Hilfe von Reflektoren das vorhandene Umgebungslicht umzuleiten und “auf das Model zu werfen”
Während der Einsatz von Blitzen sehr teuer ausfallen kann, bieten Reflektoren die Möglichkeit kostengünstig das vorhandene Umgebungslicht zu verwenden.
Exkurs: Die Vorgehensweise bei der richtigen Belichtung ist hier zwar erstmal nebensächlich, hat mir aber beim Workflow deutlich geholfen. Im P-Modus der Kamera wird zunächst eine Belichtungsmessung durchgeführt (das Motiv wird durch den Sucher anvisiert, der Auslöser wird halb ausgelöst; die dann im Sucher ersichtlichen Settings von Belichtungszeit und Blende werden abgelesen). Die Resultate der Belichtungsmessung werden dann in den M-Modus der Kamera übertragen. Somit ist gewährleistet dass eine komplette Serie von Bildern mit der exakt gleichen Belichtungen durchgeführt wird.
Warum Reflektoren und welche Reflektorentypen gibt es?
Ist genügend Umgebungslicht vorhanden so haben Reflektoren neben dem Preis den Vorteil, dass eine komplette Serie mit den gleichen Belichtungen durchgeführt werden kann. Das geht mit Blitzen auch? Nur bedingt. Blitze haben immer eine bestimmte “Vorlaufzeit” beim Serienshooting (bis der Blitz wieder die volle Leistung hat) oder das Nachblitzen des Vorblitzes im Serienshooting führt zu unterschiedlichen Belichtungen von einem Bild zum nächsten. Daher ist es ratsam einen Reflektor dem Blitz vorzuziehen.
Reflektoren können dazu genutzt werden um Licht umzuleiten (und somit einen Bildbereich aufzuhellen) oder Licht abzuschwächen (zB. um Sonnenlicht zu schwächen, hier spricht man auch von Swattern). Ziel ist es immer das Licht zu formen.
Reflektoren sind in den unterschiedlichsten Größen erhältlich. Von den kleinen ovalen Faltreflektoren (ca. 80cm Durchmesser), welche lediglich kleine Bildbereiche wie z.B. ein Gesicht belichten können (dafür aber sehr mobil sind), über mittelgroße Reflektoren (ca. 90 cm hoch) die zB. den Oberkörper eines Models belichten, bis zu großen Reflektoren (bis zu 2,45m hoch) die ein komplettes Model oder eine komplette Szene belichten. Neben der Größe ist natürlich auch der Preis unterschiedlich, aber das versteht sich von selbst
Beschichtung der Reflektoren
Neben der Größe der Reflektoren ist weiterhin die Beschichtung der Reflektoren DAS Unterscheidungskriterium. Neben der Möglichkeit Licht umzuleiten und Licht zu formen, haben Reflektoren nämlich zudem die Eigenschaft dass die Lichtcharakteristik verändert werden kann. Dies resultiert darin, dass manche Beschichtungen den Farbton kälter erscheinen lassen und manche Beschichtungen den Farbton wärmer erscheinen lassen.
Gängige Beschichtungen sind z.B.
- Silber: eine Silberbeschichtung sorgt dafür dass das Licht kälter wirkt.
- Zebra: eine Zebrabeschichtung verleiht dem Licht etwas mehr Wärme (meist bei Portrait- und Modeshootings verwendet).
- Gold: für einen extrem warmes Licht.
- Weiß: um Licht weitestgehend nur umzuleiten ohne den Farbton zu verändern.
Tipps beim Umgang mit Reflektoren
Anscheinend ist es so dass beim Umgang mit Reflektoren folgende Fehler in der Verwendung gemacht werden: entweder wird der Reflektor unmittelbar auf das Model ausgerichtet oder der Reflektor reflektiert das Licht von unten.
Richtet man den Reflektor unmittelbar auf das Model aus, so blendet das Licht das Model was natürlich zum komischen Grimassen und nicht zu schönen Bildern führt
Daher ist es ratsam den Reflektor so zu positionieren, dass das Licht im 45-Grad Winkel auf das Model gestrahlt wird. So muss das Model nicht in den Lichstrahl blicken, wird aber dennoch belichtet.
Reflektiert man das Licht von unten, so hat man den hässlichen Nebeneffekt dass im Gesicht des Models die Schatten nach oben zeigen. Dies ist im Portraitbereich alles andere als natürlich – daher immer den Tipp befolgen den Reflektor so weit oben wie möglich zu positionieren. Somit wird das Licht anaolog zum Sonnenlicht so umgeleitet, dass die Schatten nach unten zeigen.
Kaufempfehlung & weiterführende Informationen
Letztendlich möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten welche Kaufentscheidung ich getroffen habe. Ich war unglaublich von den Produkten der Firma California Sunbounce angetan. Zum einen weil ich weiß dass die Firma für eine sehr gute Qualität steht und dass deren Produkte von Profis genutzt werden. Zum anderen weil ich deren Webseite unglaublich stark finde, weil hier viele Informationen zum Thema Reflektoren aufzufinden sind. Tutorials, Tipps & Tricks und komplette Setups. Ein Blick dorthin lohnt sich also definitiv (California Sunbounce). Besonders empfehlenswert ist ebenso der Sunbounce Youtube-Channel mit vielen Tutorials.
Abschließend habe ich mich für den Sun-Bounce Mini in der Beschichtung Zebra/Weiß entschieden. Dieser ist 90 x 125cm groß und ist auf einen speziellen Rahmen aufgezogen, welcher mit Haltegriffen versehen ist und somit auch an einem Stativ verwendbar ist. Wie gesagt gibt es aber auch etliche andere Anbieter, welche ebenso Reflektoren in den unterschiedlichsten Größen und Beschichtungen anbieten.
In den kommenden Tagen werde ich den trockenen Theorieteil dieses Beitrags mit Beispielbildern in Folgebeiträgen erweitern.
Welche Erfahrungen habt ihr mit Reflektoren? Welche nutzt ihr? Sonst Tipps und Tricks die ihr weitergeben möchtet? Ich freue mich auf Diskussionen in den Kommentaren.









Hallo Moritz!
Über das Gerücht zur Canon D60 bin ich auf Eurem tollen Blog gelandet – den werde ich mir direkt mal verlinken! Hier habe ich nämlich genau das gefunden, was ich mich schon seit Ewigkeiten frage: Wie und mit welchen Reflektoren kann ich gute Portrait-Ergebnisse hinkriegen? Dieses Thema hat mich schon manchmal verzweifeln lassen … Hiermit also ein großes Dankeschön für Deinen hilfreichen Beitrag
)
Mir ging am Samstag meine EOS 300D kaputt und nun versuche ich mich irgendwie zu entscheiden, welches Modell als Nachfolger in Frage kommt … Gar nicht so einfach! Die 5D wäre schon ein Knüller, aber das ist einfach nicht drin
(
Canon soll es aber auf jeden Fall wieder werden – denn Blitz und Objektive sind schon von der 300D vorhanden.
So, jetzt lese ich mich noch ein bisschen durch Euren Blog
)
Viele Grüße
Melanie
Danke für die netten Worte
Zum Thema Reflektoren habe ich auch noch folgenden Link parat, der das Thema ebenso erklärt: http://fps-photo.blogspot.com/2010/04/sommer-sonne-sunbounce.html
Danke für den Tipp, die Seite ist auch sehr informativ und hilfreich. Muss ich mir bei Gelegenheit auch näher ansehen.
Viele Grüße und schönes Wochenende,
Melanie
Moin moin!
((
Ich benutze einen Sunbounce Mikro Mini ( teilweise auch mit Flashbracket)
und seit gut 3 Monaten einen Lastolight Trigrip mit Softsilver/ Sunfire Bespannung.
Mittlerweile nutze ich fast nur noch den Trigrip weil ich den auch alleine mit einer Hand gut händeln kann.
Mein Tip bei Reflektoren ” Arme hoch strecken ” so das daß Licht von oben auf’s Objekt fällt, so hat meinen natürlichen Schatten unter der Nase, also so als wäre es Sonnenlicht, welches ja auch von oben kommt!
Es gibt nichts schlimmeres wie fotografen die den Reflektor ans Bein stellen um das Licht von unten aufs Objekt zu strahlen ….. grausliges Theaterlicht ist das Ergebniss.
Gruß Frank
Hallo Moritz,
vielen Dank für die Info. Ich fotografiere eine Hochzeit und benutze da meine Reflektoren, jetzt weiß ich auch wie ich diese einzusetzen habe. Toller Beitrag!
Pam
Hi zusammen!
wirklich ein echt klasse Thread zu den Reflektoren…bzw dem California Sunbounce! hätte noch zusätzlich ein kleinen Tipp dazu…falls jemand ein paar Settings sucht oder Ideen was man noch alles so mit den Reflektoren genau anstellen kann…(wird ja echt meisténs unterschätzt)der sollte evtl hier mal schauen:
http://www.krolop-gerst.com/blog/general/ebook-lets-bounce-pdf/
da bzw auf der seite gibt es tolle anregungen!
LG Christian (winnerger)
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