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Tamron AF 70-200mm F/2.8 Di LD – der Preis-/Leistungssieger

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Die letzten Wochen hatte ich die Möglichkeit ein Tamron AF 70-200mm F/2.8 Di LD Tele-Objektiv zu testen. Wer hier regelmäßig im Blog liest, der weiß dass ich schon länger in diesem Brennweitenbereich aktiv werden möchte, so dass man hier von einem echten Praxistest sprechen kann der meine Kaufentscheidung beeinflussen kann. Das Fazit des Tests vorweg: ich bin sowohl vom Handling, als auch von der Performance des Objektivs überzeugt – wenn man mit den Schwächen des Objektivs umgehen kann, so ist es das ideale Objektiv für den preisbewussten Fotografen.

Technische Spezifikationen

Bevor ich von meinen Eindrücken berichte, hier noch ein paar Eckdaten zu dem Objektiv:

  • Lichtstärke: f2,8
  • Brennweite [mm]: 70-200
  • Anzahl Blendenlamellen: 9
  • Kleinste Blende: 32
  • kürzeste Einstellentfernung [m]: 0.95
  • Max. Abbildungsmaßstab 1:3,1 (f=200mm, MFD 0,95mm)
  • Filtergröße [mm]: 77
  • Gewicht [g]: 1.150
  • Größter Durchmesser x Baulänge [mm]: 89,5 x 194,3

Vergleicht man das ganze mit dem aktuellsten 70-200mm Objektiv von Canon (Canon 70-200 f/2.8 L IS USM II) so fällt auf dass das Tamron 70-200 F/2.8 Di LD um 300g leichter ist, sowie dass das Tamron keinen Bildstabilisator hat.  Preislich spielen die beiden Objektive eine komplett andere Liga: während das Tamron 70-200 für gut 600 EUR erhältlich ist muss man für das aktuelle Canon 70-2000 über 2.000 EUR auf den Tisch legen. Auf dem Blatt Papier könnte man meinen steht der Sieger also schon fest. Doch ich habe mich absichtlich für einen Praxistest – und gegen das Lesen von 1000 Beiträgen in Fotografieforen – entschieden, da ich wissen wollte ob das Tamron 70-200mm für meine Einsatzzwecke geeignet ist oder nicht.

Der erste Eindruck

Der erste Eindruck des Objektivs ist sehr gut. Bevor ich es zum ersten Mal in den Händen hatte dachte ich mir, dass ich aufgrund des starken Preisunterschieds zu den Canon Objektiven einen deutlichen Unterschied zu den Canon L Linsen feststellen werde (ich hatte das Canon 70-200mm während einer USA-Reise im Test und hatte somit einen Vergleichswert). Diesen Unterschied erwartete ich auch schon in der Haptik. Doch ich wurde überrascht: in den Händen hielt ich ein solide verarbeitetes Teleobjektiv, welches sich rein optisch und haptisch überhaupt nicht von seinem Canon-Pendant verstecken muss. Das Canon ist zwar aufgrund anderer Bauweise massiver, dennoch gibt es genügend Objektive von Canon bei welchem man den Eindruck hat zuviel Plastik in den Händen zu halten (ich spreche hier nicht von den L Objektiven). Das Tamron 70-200mm konnte also schon in diesem Bereich punkten.

Das Tamron 70-200 F/2.8 Di LD im Einsatz

Zu meinen “Lieblings”-gebieten der Fotografie gehören die Landschafts-, Städte- & Architekturfotografie. In diesem Teilgebiet der Fotografie ist viel Zeit, Geduld beim Warten auf das richtige Licht sowie ein Stativ von allerhöchster Bedeutung. Zum Einsatz kam das Tamron 70-200mm während des Tests an meiner Canon 5D Mark II, einer Vollformat-DSLR.

Handling

Im Praxiseinsatz war das Objektiv sehr robust und stabil. Durch die am Objektiv angebrachte Stativschelle konnte die Kamera einfach auf das Stativ geschnallt werden, ohne dass das Stativ umkippt oder wacklig wird. Der Brennweiten-Einstellring des Objektivs ist gut bedienbar. Somit sind hier keinerlei Beeinträchtigungen festzustellen.

Blende 2.8 rockt

Ein absolutes Highlight des Tamron 70-200 ist die Blende von 2.8 – besonders bei schwierigen Lichtbedingungen punktet hier das Tamron Objektiv, denn durch die 2.8er Blende kann man auch bei schlechten Lichtverhältnissen kürzere Verschlusszeiten wählen und so auch mal aus der Hand fotografieren. Im Praxiseinsatz hat sich dies wirklich bewährt. Ältere Canon 70-200 Objektive aus der gleichen Preisklasse haben “lediglich” eine Offenblende von 4.0.

Abbildungsleistung & Schärfe – sehr gut

Besonders interessant ist natürlich die Abbildungsleistung und die Schärfe des Objektivs. Wer jetzt Laborwerte erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ich verlasse mich da auf mein Bauchgefühl und bewerte die Qualität anhand von Beispielbildern.

Hier findet ihr einen 100%-Ausschnitt (Brennweite 200mm, Screenshot vom ungeschärften RAW-Format, dann in JPEG exportiert) aus einem Bild welches ich mit dem Objektiv geschossen habe, die volle RAW-Datei dazu könnt ihr hier herunterladen (Achtung, 24 MB, ZIP):

Ich war während des Tests mit der Abbildungsleistung des Objektivs sehr zufrieden, auch in schwierigeren Lichtbedingungen wie z.B. dem Fotografieren der Auslaufparade der Kreuzfahrtschiffe während der Hamburg Cruise Days 2010. Leider kann ich keinen 1:1 Vergleich mit dem Canon-Pendant liefern, ich denke aber die Bilder sprechen für sich. Wir wollen ja keine Erbsenzähler sein :-)

Auto-Fokus – langsamer als Canon USM

Auffallend im Vergleich zu den Canon-Objektiven mit Ultraschall-Motor ist die Geschwindigkeit des Autofokus. Hier merkt man recht schnell dass die Geschwindigkeit in gewissen Situationen, wo es auf Schnelligkeit ankommt (wie z.B. Sportfotografie), besser sein könnte. In den meisten Fällen meines (!) Anwendungsbereichs fällt das ganze aber nicht sonderlich ins Gewicht, so dass es auch hier lediglich Abzüge in der B-Note gibt. Für Portraitfotografie ist der Auto-Fokus auf alle Fälle noch mehr als ausreichend, lediglich bei Sportfotografie habe ich so meine Bedenken. Architektur & Still-Life: kein Problem. Durch die sehr gute Naheinstellgrenze von knapp einem Meter ist auch Makrofotografie kein Problem.

Fehlender Bildstabilisator

Auch hier kann ich wieder von meinem Anwendungsbereich sprechen: Für Architektur- & Still-Life Fotografie kann man auf einen Bildstabi verzichten, denn wenn ich abends in der blaue Stunde unterwegs bin dann steht die Kamera samt Objektiv auf dem Stativ und der Bildstabi wird eh ausgeschalten. So wirkt sich der fehlenden Bildstabilisator nicht negativ auf mein Urteil aus.

Beispielbilder – alle Bilder mit dem Tamron 70-200mm F/2.8 Di LD geschossen

Gesamtfazit

Nach einigen Wochen im Einsatz kann ich dem Test des Tamron 70-200mm F/2.8 Di LD ein sehr positives Gesamtfazit ziehen. Mich persönlich hat das Objektiv im Praxiseinsatz überzeugt so dass es ein echter Konkurrent gegenüber dem Canon 70-200mm F/2.8 ist. Der Mehrpreis des Canon-Pendents ist zwar durch ein paar Zusatzfeatures geschuldet, doch wenn man mit den Schwächen des Tamron umzugehen weiß so ist der Preisunterschied von fast 1500 EUR nicht wirklich spürbar – außer im Geldbeutel. Wer also vor der gleichen Kaufentscheidung – wie ich momentan – steht, der kann ruhigen Gewissens das Tamron in Betracht ziehen. Meinen Segen habt ihr. Und einen Pluspunkt hat das Tamron definitiv vor dem Canon: die Farbe, denn das Grau des Canon Objektivs ist nicht wirklich hübsch :-)

Habt ihr Erfahrungen mit dem Tamron 70-200mm F/2.8 Di LD? Gerne könnt ihr Eure Erfahrungen teilen, ich freue mich über jeden Kommentar !

Noch mehr Beiträge von: 

Moritz fotografiert mit einer Canon EOS 5D Mark II. Mehr Infos zu Moritz.

 geschrieben am: 4 August 2010 | 16 Kommentare | Abgelegt in: Featured, Tests und Reviews

16 Kommentare »

  • shultzie (5 comments) meint:

    Das Tamron habe ich auch auf meiner Wunschliste, allerdings schwanke uch noch zwischen dem und seinem Pendant, dem 70-200 EX von Sigma. Aber Dein Erfahrungsbericht hat mir viele offebe Fragen beantwortet, Danke dafür! :-)

  • Nicki (1 comments) meint:

    Hi Mo,

    Bauchgefühlberichte sind immer gut. Ich kann dir 100% zustimmen. :) Dennoch ist meine Wahl auf das 70-200 F4 L IS von Canon gefallen. Offenblende hin oder her, der IS kompensiert die eine Blende wunderbar. Es ist klein, leicht und verdammt schnell. Und wenn man das Bokeh einmal schätzen gelernt hat, dann gibt man das kleine Zoom ungern wieder her. Vielleicht hast du ja Gelegenheit für einen kleinen Test?

    Viel Erfolg … :)

  • Markus (20 comments) meint:

    Sehr Interessanter Bericht, welchen ich nur bestätigen kann. Ich komme zwar aus der Sony Ecke derzeit wo der Stabi im Body ist. Aber das Preis/Leistungsverhältnis ist unschlagbar.
    Ich setze dieses nun knapp ein Jahr ein und das von der Peoplefotografie bis hin zur Konzertfotografie. Letztes Wochenende konnte ich es erst wieder bei mehreren Konzerten austesten. Ein tolles Teil was top Bilder macht.
    Bei mir stand auch das 70-200 von Sony zur Auswahl, aber für 1800€ war mir das es nicht Wert wenn ich doch für 600€ ein top Gegenstück bekomme.
    Hätte ich heute wieder die Wahl würde ich doch klar zum Tamron gehen, solange ich nicht auf den schnellen USM angewiesen wäre. Das ist der einzige Hacken. Aber wer sein Werkzeug kennt, weiß es auch zu beherrschen :-)

  • Daniel (16 comments) meint:

    Die Überlegung habe ich auch schon gehabt. Preis bis 600€, da bleibt bei 2.8 nur Sigma/Tamron über – na mal schauen

    PS: Das 70-200 4L ist keine “alte” Linse, nur weil es keine 2.8 hat, sondern halt der kleine Bruder vom 70-200 2.8L, und das 2.8 ist auch kein Nachfolger vom 4.0, denn beide sind weiterhin im Handel und werden auch beide stetig verbessert (z.B. der IS beim 4.o etc)

  • Lutz (3 comments) meint:

    Sehr schöner Bericht. Ich kann (aus Erfahrung mit anderen Tamrons) zwar kaum glauben, dass dieses Objektiv bei Blende 2.8 wirklich ausreichend scharf abbildet, aber wenn dem so sein sollte, überlege ich mir sogar wirklich, dieses Teil zu kaufen!
    Irgendwie sagen mir nur sämtliche Testcharts, die ich dazu finden kann, etwas anderes. Aber bei Tamron sollen ja auch oft ein paar “schlechtere” Exemplare produziert werden…
    Zeichnet das Objektiv denn sowohl bei 70mm als auch bei 200mm mit Blende 2.8 ausreichend scharf?!
    Würde Deiner Meinung nach der Autofokus für Events wie z.B. Hochzeiten ausreichen?

  • Alexander Spanke (6 comments) meint:

    Klasse Bericht, dem ich nur zustimmen kann !

    Das Tamron habe ich selbst und bin begeistert, vor allem mit dem Schritt auf Vollformat vor Kurzem, weiß ich zu Schätzen das Objektiv voll auszunutzen.

    Gruß
    Alex

  • Das Dutzend ist voll – Fotoburschen Podcast #12 | fotoburschen.de meint:

    [...] hat das Tamron 70-200  F/2.8 Di LD getestet – ein echter Preis-/Leistungssieger [...]

  • Robertus Koppies (1 comments) meint:

    Sehr schöner, praxisnaher Bericht, vielen Dank!

  • Frank (31 comments) meint:

    Hallo, ich selbst habe das Tamron 70-200mm f/2,8 an meiner Nikon D300 und muss Moritz bestätigen. Es ist ein sehr gutes Objektiv und fotografiere selbst bei Blende 8 mit einer Brennweite 200mm aus der Hand bei gutem Licht bei ISO 200 in der Sportfotografie (Hundsport-Flyball). Die Schärfe wird nicht übertroffen von einem für mich vergleichbaren Nikon 70-200mm f/2,8. Da mir beim fotografieren immer wieder Herrchen oder Frauchen ins Bild laufen haben ich es mal rein manuell ausprobiert und war selbst über meine eigenen Leistungen überrascht. Ebenfalls bin ich mit dem Autofokus sehr zufrieden, ich glaube nicht dass das vergleichbare Canon als auch das Nikon Objektiv schneller und besser fokusiert, ich hatte mal das Nikon an einer D300 und der Preis ist es mir nicht wert es mag sein das das Nikon als auch das Canon Objektiv evtl. hunderstel einer Sekunde schneller sind aber das rechtfertigt nicht den Preis. Die Verarbeitung des Tamron ist sehr gut ich hatte noch nie etwas zu bemängeln. Selbst bei strömenden Regen ist mir das Objektiv nicht abgesoffen.
    Auch in diesem Punkt der durchgehenden Blende von 2,8 gebe ich Moritz absolut recht, das Objektiv ist genial und würde es mir immer wieder kaufen. Zum vergleichbaren Sigma kann ich leider nicht viel sagen, jedoch soll es an der D300 nicht so gut sein und hatte diesbezüglich einige Berichte gelesen, allerdings kann ich das nicht selbst bestätigen, da ich das Sigma nie ausprobiert hatte.

  • Trancerapid (1 comments) meint:

    Im Vergleich zwischen dem Sigma und dem Tamron hat bei mir das Tamron deutlich gewonnen. Das Canon konnte ich leider nicht testen, da dies mein aktuelles Budget sprenden würde und da ich kein Sport-Fotograf bin, denke ich, ist das Tamron absolut zu empfehlen.

    Zumindest kann ich nun alles in meiner Heimat, Osnabrück, von einem hohen Punkt fotografisch erreichen :) )

  • Frank (31 comments) meint:

    @Trancerapid, wir kommen wohl aus der selben Gegend nur ich aus Gm-Hütte (grins), in meinen Test bis jetzt ist das Tamron wirklich super und bin mehr als nur zufrieden

  • Basti (3 comments) meint:

    Ich hatte in Hamburg das vergleichbare Sigma zum Test und war bei Offenblende bitter enttäuscht. Mag sein das hier Tamron wesentlich besser ist, meiner Meinung nach eh ein total unterschätzer Lieferant.

  • Frank (31 comments) meint:

    @Basti: Wie gesagt es kommt wohl auch auf die Kamera an, bei meiner Nikon D300 ist das Tamron sehr gut, ich habe es mir für 600,00 € bei Foto Erhardt gekauft und bin mehr als zufrieden. Jedoch merkt man das der Autofokus bei absoluter Dunkelheit etwas spinnt, daher wähle ich dann eine ganz kleine Lichtquelle als Hilfe und wenn es nur eine Kerze die im Hintergrund steht. In der Sportfotografie ist das Objektiv wirklich sehr gut

  • Sinus Surfer (2 comments) meint:

    Hallo Mo. Vielen Dank für den tollen Erfahrungsbericht und die schönen Bilder. Werde es mir wohl auch holen für Portraits und Hochzeiten als Ergänzung zum Tamron 17-50 2,8 (lieb das Teil). Hat jemand Erfahrung ob es ausreicht für Hochzeiten? AF schnell genug? Und ob es für Makro brauchbar ist, an ner APS-C (50 D)?

  • Jan (6 comments) meint:

    Na dann will ich auch noch mal schnell was zu der Linse sagen: Ich nutze sie seit ungefähr einem knappen halben Jahr an meiner Nikon D300s. Im Großen und Ganzen bin ich recht zufrieden damit. Hauptsächlich kommt sie bei schlechten Lichtverhältnissen in der Konzertfotografie zum Einsatz. Ich stand damals vor der Entscheidung ob Tamron 70-200 oder (das alte) Sigma 70-200, beide tun sich glaub ich nicht viel. Positiv zu erwähnen ist das schöne Bouquet und die Schärfe. Schön ist auch der Umschalter auf den manuellen Modus, einfach den Focussier-Ring zurückziehen. Negativ bewerte ich das Gewicht (OK, ist wohl normal für ein solches Tele) und vor allem die Geschwindigkeit, die Linse ist wirklich laaaangsam bis sie mal endlich scharf gestellt hat, oft greife ich zum manuellen Modus. Ein Stabi wäre on Top auch nicht schlecht. Auf Dauer wird es daher wohl auf das neue Sigma 70-200 mit Stabi hinaus laufen.

  • Xevailo (1 comments) meint:

    Ich habe zwei Fragen in kürze: Da ich eine D7000 besitze und schon gerne ein 70-200er für Portrait-Fotografie hätte, aber eben keine 1.900€ für das 70-200er von Nikon habe überlege ich schon seit einiger Zeit, ob man vllt. zu Sigma oder Tamron greifen sollte.

    1) Gibt es auch einen direkten Vergleich zwischen Sigma und Tamron? Oder weiß jemand, wo bei welchem die Vor- und Nachteile liegen?

    2) Was mir noch mehr Kopfzerbrechen bereitet ist der fehlende Stabi. Auf 200mm müsste ich dann ja 1/200 oder weniger haben, das hieße dann aber wieder Blende weit öffnen (was dann zu einer SEHR geringen Schärfentiefe führen würde) und / oder den ISO hochjagen. Hat dazu jemand Erfahrungswerte für mich?

    Vielen Dank schonmal im Vorraus,

    Xevailo

Kommentar

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