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Tipps zur Nachtfotografie

Eine der für mich spannendsten Fotos sind Aufnahmen bei Nacht oder Dämmerung, auch genannt Available Light oder Nachtfotografie. Diese Bilder wirken sehr stark durch ihre Lichtstimmung und daher finde ich, dass gerade Nachtfotos auch toll wirken können, wenn der Fotograf nicht gerade der Held des Bildaufbaus ist.

Die Fotografie bei Nacht oder Dämmerung ist auch gar nicht so schwer, wenn man ein paar Tipps beachtet, die ich hier einmal zum besten geben will.

1. Die Blaue Stunde

Dunkel ist nicht gleich Dunkel. Bevor die Sonne komplett verschwunden ist und die Motive nur noch durch Kunstlicht beleuchtet werden gibt es die sog. Blaue Stunde. In dieser Zeit steht eine tolle Mischung aus Tagesrestlicht und erstem Kunstlicht von eingeschalteter Beleuchtung zur Verfügung. Diese Bilder zeichnen sich meistens durch einen satten blauen Himmel und charakteristischer und stimmungsvoller Beleuchtung aus. Aber Achtung, die Blaue Stunde ist selten eine Stunde lang und verschiebt sich täglich. Daher ist ein Blick in die Blaue Stunde Tabelle vor dem Shooting pflicht.

2. Ein Stativ ist Pflicht

Wenig Licht bedeutet auch lange Belichtungszeiten. Zwar können heutige DSLRs auch bei hohen ISO-Werten gute Bilder machen, aber wenn es sich vermeiden lässt, dann sollte man lieber ein Stativ verwenden um jede Art der Erschütterung zu vermeiden. Die Belichtungszeiten gehen gerne mal hoch auf 20-30 Sekunden und da sollte die Kamera wie einbetoniert stehen.

3. Die richtige Blende

DIE richtige Blende gibt es natürlich nicht. Ich verwende meistens eine Blende zwischen f/5,6 und f/8 und versuche möglichst die Belichtungszeit nicht über 30 Sekunden steigen zu lassen. Ihr könnt Euch jedoch merken, je kleiner die Blende umso stärker der Sterneneffekt um Lichter herum. Das Bild von dem Containerschiff oben wurde mit f/13 aufgenommen und zeigt sehr schön ausgeprägt diesen Sterneffekt. Macht man die Blende weiter auf, so bildet sich eher ein Halo-Effekt um die Lichtquellen herum.

4. Belichtungszeit einstellen

Ich verwende meistens für das erste Bild die Zeitautomatik (A, Av) und die Matrixmessung für die Belichtung. So bekomme ich sehr schnell ein halbwegs brauchbar belichtetes Bild. Dann merke ich mir die Einstellungen für Blende und Belichtungszeit und wechsle in den manuellen Modus (M). Nun fange ich an mit der Zeit zu spielen und drehe diese ein bisschen rauf oder runter. Wichtig für die Kontrolle ist sich nicht nur auf das Vorschaubild auf dem Monitor zu verlassen, sondern auch auf das Histogramm zu schauen.

5. Histogramm kontrollieren

Gerade Anfänger können mit dem Histogramm nichts anfangen und ignorieren es daher gerne. Dabei ist das aber mit der wichtigste Kontrollmechanismus um die Belichtung zu überprüfen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach zu lesen. Hat man viele überbelichtete Stellen im Bild, die keinerlei Zeichnung mehr aufweisen, so zeigt das Histogramm einen “Berg” auf der rechten Seite. Anders herum zeigt das Histogramm am linken Rand einen Ausschlag, wenn sich Bildbereiche mit schwarzen Pixeln häufen. Ziel sollte es sein so zu belichten, dass man möglichst wenig Pixel am ganz rechten und ganz linken Rand hat. Komplett vermeiden lassen wird sich das selten, da gerade die Nachtaufnahmen nun mal schwarze Bereiche und durch die Lichter ganz helle Bereiche aufweisen.

Das folgende Histogramm gehört zu dem Bild von der Golden Gate Bridge. Ihr seht dort eine Anhäufung von Pixeln auf der linken Seite, was bedeutet, dass es Bereiche gibt, die einfach nur schwarz und ganz ohne Zeichnung sind. Diese Stellen sind in dem Folgebild Blau markiert. In diesem Fall finde ich das vollkommen ok, das es hauptsächlich der kleine Berg in der linken unteren Ecke ist, der keine Zeichnung mehr aufweist.

6. Spiegelvorauslösung

Um so viel Quellen für Verwackelung wie möglich auszuschließen empfiehlt sich auch die Spiegelvorauslösung zu aktivieren. Dann wird zunächst der Spiegel hochgeklappt und die Kamera wartet 1 bis 2 Sekunden bevor das Bild belichtet wird. So schließt man Erschütterungen durch das Hochklappen des Spiegels aus. Diesen Punkt vergesse ich übrigens sehr gerne ;-) Je länger die Belichtungszeit umso weniger wichtig ist die Spiegelvorauslösung übrigens. Hört sich erst einmal paradox an, ist aber so. Stell Dir vor Du belichtest 30 Sekunden, dann beeinträchtigt die Erschütterung des Spiegels nur einen Bruchteil einer Sekunde die Belichtung, was man bei so einer langen Belichtung nicht sieht. Relevant ist die Spiegelvorauslösung eher bei Zeiten um 1/2 bis 1 Sekunde.

7. Fernauslöser

Ein weiteres wichtiges Utensil neben dem Stativ ist ein Fernauslöser. Damit kannst Du die Kamera auslösen ohne sie berühren zu müssen und reduzierst somit die Gefahr an Erschütterungen weiter. Wenn Du keinen Fernauslöser besitzt tut es auch der Selbstauslöser mit 2-5 Sekunden Vorlauf, was aber auf Dauer nervt.

8. RAW oder JPEG

Ich empfehle bei Nachtaufnahmen grundsätzlich das RAW-Format zu verwenden, da Dir dieses mehr Freiraum bei der Nachbearbeitung lässt. Speziell bei Low-Light-Aufnahmen bearbeite ich die Bilder häufig noch recht viel nach und möchte mir daher möglichst viel Optionen offen lassen. Allerdings solltet Ihr die Formatfrage auch nicht zur Glaubensfrage ausarten lassen. Auch mit JPEG lassen sich tolle Nachtaufnahmen machen, wenn Du sowieso nicht viel nachbearbeiten möchtest.

9. Bildstabilisator abschalten

Noch ein kleiner Tipp zu Bildstabilisatoren: Wenn Du sowieso ein Stativ verwendest, dann solltest Du den Stabilisator abschalten. Die Kamera steht dann schon absolut ruhig und Du läuftst eher wieder Gefahr mit dem arbeitenden Stabilisator neue Schwingungen zu erzeugen statt sie zu vermeiden. Merke also: Wenn Stativ, dann Stabi aus.

Das waren nun ein paar grundsätzliche Tipps mit denen Ihr in der Lage sein solltet relativ schnell zu ansehnlichen Low-Light-Aufnahmen zu gelangen.

Vor allem interessiert mich aber das Feedback der alten Hasen: was habt Ihr noch für Tricks auf Lager, die Ihr bei der Available Light Fotografie anwendet?

Noch mehr Beiträge von: Paddy

Paddy kommt aus Hamburg und fotografiert mit einer Nikon D700. Mehr Infos zu Paddy

 geschrieben am: 3 Februar 2010 | 7 Kommentare | Abgelegt in: Featured, Headline, Workshops

7 Kommentare »

  • Moritz (134 comments) meint:

    Klasse Artikel. Find ich echt gut. Was ich aus der Liste immer vergesse ist den Bildstabi auszuschalten. Aber ich kleb mir die Liste nun auf mein Kameradisplay :-)

  • Michael (64 comments) meint:

    Hallo Patrick,

    auch wenn ich schon viele bzw. alle aufgeführten Tipps kannte, gehen gerade einige doch immer wieder mal gern vergessen. Wie Moritz schon anmerkte, den Bildstabi ausschalten ;-)

    Aber ansonsten wirklich sehr hilfreich für alle, die mit der Nachtfografie anfangen wollen.

    Micha

  • Universalismus (3 comments) meint:

    Danke auch von mir für den tollen Beitrag. Für mich am wichtigsten: Die Tabelle mit den Uhrzeiten. War mir nicht bekannt, dass die existiert.

    M.

  • kho: Bilder, Geschichten, Begegnungen... meint:

    Kurz gelinkt #34……

    Welcome to Hell: Sand Demons of Dante’s Inferno Nuit Blanche (vimeo.com) Tipps zur Nachtfotografie (fotoburschen.de) Creating an HDR-like Image From a Single RAW File in Lightroom Alle “kurz gelinkt” Beiträge hier im blog…

  • Andy (2 comments) meint:

    Mit der Nachtfotografie habe ich mich auch schon ein wenig beschäftigt. Dabei habe ich die “blaue Stunde” noch komplett ausgelassen weil ich das einfach noch nicht wusste.
    Werde mich aber bald wieder auf den Berg setzen und dann mal bei Dämmerung bzw. hoffentlich während der “blauen Stunde” ein paar Bilder machen. Dazu muss es aber wieder warm werden ;-)
    Die restlichen Tipps kenne ich aus einem Fotografiebuch, besonders das mit dem IS und dem ISO Wert ist nützlich.

  • Florian (2 comments) meint:

    Kann mich den Vorredner nur anschließen: Der Bildstabilisator ist der blinde Punkt bei der Anwendung mit Stativ. Vielleicht sollte man den einfach immer aus- und nur bei Bedarf wieder zuschalten. Meistens erreicht man Freihand ja eh gute Belichtungszeiten.

  • Marcel (25 comments) meint:

    Ich fotografiere schon seit meinen ersten Versuchen bei Dunkelheit. Aus diesem Grund habe ich auch eine Menge an Tipps aufgelistet. Wenn es ok ist dann zeige ich hier mal den Link dazu. :)

    Tipps & Tricks zur Nachtfotografie

Kommentar

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